Journalismus: Kündigung wirft viele aus der Bahn

MELBOURNE/BERLIN (pte).  Der Journalismus befindet sich im Wandel – das bekommen nicht nur die Leser, sondern auch die Angestellten zu spüren. Wie sich die Karriere von Journalisten nach einer Entlassung weiterentwickelt, haben nun australische Forscher nach einer großen Umstrukturierung des Nachrichtenwesens im Jahr 2012 mit rund 1000 freigestellten Arbeitskräften erforscht. Ergebnis: Fast ein Drittel der Befragten ist seither nicht mehr im Journalismus tätig.

„Dass so viele Journalisten auf einen Schlag, innerhalb eines Jahres, ihren Job verloren haben, ist mir für den europäischen Raum nicht bekannt. In Deutschland gab es Entlassungswellen mit einigen hundert Betroffenen, die Einstellung der ‚Financial Times Deutschland‘ war ein gravierender Einschnitt und auch bei der Funke Mediengruppe gab es in den letzten Jahren vermehrt Entlassungen“, berichtet Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbandeshttp://djv.de , auf Nachfrage von pressetext.

Karrierebruch bei vielen Australiern

Das Team rund um Lawrie Zion von der La Trobe University http://latrobe.edu.au konnte 202 Journalisten befragen. Etwa zwei Drittel davon sind wieder im Journalismus gelandet, wobei die Hälfte dieser Personen nicht davon leben kann, sondern noch anderen Beschäftigungen nachgehen muss. Fast ein Drittel der Befragten arbeitet nun in ganz anderen Berufsfeldern.

„In Deutschland ist das keine typische Entwicklung der Karriere. Wer Journalist wird, hat das in der Absicht getan, diesen Beruf dauerhaft auszuüben – natürlich verlassen einige das Berufsfeld wieder, weil sie den Aufgaben nicht gewachsen sind, aber die Mehrheit bleibt dabei“, erklärt Zörner. „Andererseits ist Journalist kein Beruf, den man anmelden muss – dementsprechend muss man sich auch nicht wieder abmelden und es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele den Journalismus wieder verlassen.“

Journalismus trotz Entlassungen wichtig

Viele der australischen Journalisten hatten sich sogar freiwillig für die notwendig gewordenen Entlassungswellen gemeldet. Ein Befragter sagte: „Es war die am wenigsten schlimme Option, weil der Druck des Marktes und die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen in den Redaktionen das Gewerbe vor unseren Augen zerstört haben.“ Vor negativen Gefühlen waren die Journalisten trotz der Freiwilligkeit nicht gefeit – den Jobverlust beschreiben sie als „qualvoll“, „traumatisierend“ und „katastrophal“. Immerhin waren die Befragten durchschnittlich mehr als 25 Jahre bei ihrem Arbeitgeber tätig.

Dass der Journalismus weltweit Schlimmes zu befürchten hat, glaubt Zörner nicht: „Wir erleben heutzutage eine Flut an Eindrücken und Meinungen, da kommt den Journalisten eine wachsende Rolle zu: Sie haben die Aufgabe, den Menschen den Weg durch den Informationsdschungel zu bahnen.“ Ein für die Zukunft taugliches Modell braucht es jedoch schon, so Zörner: „Es ist vieles in Bewegung, aber das wirkliche Problem ist, dass es im digitalen Journalismus noch kein Erfolgsrezept gibt, Geld zu verdienen.“

Juli 19th, 2015 by
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