Facebook-Nutzer überschätzen ihr Wissen

NEW YORK/DÜSSELDORF (pte). Menschen neigen zu übersteigertem Selbstvertrauen in ihr eigenes Wissen, nachdem sie nur die Vorschau eines Facebook-Artikels gelesen haben. Viele User fühlen sich oft informiert, ohne den tatsächlichen Artikel gelesen zu haben.

Das besagt eine aktuelle Studie des York College of Pennsylvania http://ycp.edu . „Es findet eine Verschlagwortung in der Kommunikation im Netz statt. Man sieht reißerische Überschriften, einen kurzen Teaser und ein aufregendes Bild. Nachrichten werden tausendfach geteilt und unreflektiert als Information betrachtet. Das liegt daran, dass Menschen mit einer gewaltigen Informationsflut konfrontiert sind. Sie haben nur zwei Dinge zur Auswahl, entweder Selbstvertrauen oder die Erkenntnis, dass sie gar keine Infos verarbeiten können. Es ist nachvollziehbar, dass sie sich für Selbstvertrauen entscheiden, die andere Option wäre ein Armutszeugnis“, sagt Kommunikationsexperte Christian Scherg http://revolvermaenner.com im Gespräch mit dem Portal pressetext.

Gefährliches Halbwissen

Für die Studie wurden 990 Probanden in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe musste einen Artikel der „Washington Post“ zum Thema Gentechnik bei Nahrungsmitteln lesen. Die zweite Gruppe bekam vier gefälschte Vorschauen für Artikel, von denen eine das gleiche Thema wie der Artikel behandelte. Die dritte Gruppe bekam keinen Text zu lesen.

Das Forschungsteam testete darauf das Wissen aller Probanden mit sechs Kontrollfragen zum Thema Gentechnik bei Nahrungsmitteln. Dann mussten die Befragten angeben, wie zuversichtlich sie bei ihren Antworten waren. Die erste Gruppe hatte die meisten Fragen richtig beantwortet. Trotzdem zeigte die zweite Gruppe, die lediglich eine Vorschau gesehen hatte, mehr Selbstvertrauen bei ihren Antworten, obwohl im Schnitt nur eine von sechs richtig war.

Trügerische Verbreitung

Laut Studienautor Nicholas M. Anspach haben Menschen, die eher von Emotionen getrieben werden, das positive Gefühl, fälschlicherweise richtig zu liegen und ihr eigenes Wissen über Fakten stellen. Deswegen würden sie zu übersteigertem Selbstvertrauen trotz minimalem Informationsgewinn neigen. Dadurch könne sich ihre politische Partizipation erhöhen, aber nicht unbedingt ihre Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Scherg zufolge ist es durch die Menge an Informationen im Netz unmöglich, in die Tiefe zu gehen. Die Glaubwürdigkeit der Informationen sei der Glaubwürdigkeit des Absenders gewichen. Wenn sie der Quelle vertrauen, gehen Menschen davon aus, dass die Infos schon geprüft wurden. Sie teilen dann Geschichten, die sie im Vorbeigehen als richtig eingeschätzt haben. „So entstehen Gerüchte, und wenn ein Gerücht oft genug weitergesagt wurde, wird es zur Wahrheit. Das ist gefährlich. Nutzer müssen mit Informationen veranwortungsbewusster umgehen, das schulden sie auch denen, die ihnen zuhören“, so Scherg.

Mai 5th, 2019 by
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